Wissenswertes rund ums Auslandssemester

Sofie berichtet über Ihre Erfahrungen und Erlebnisse während des Auslandssemesters und gibt Tipps zur Planung und Organisation

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Zu meinem Studium gehörte auch ein Auslandssemester. Ich sage immer gern, ich wurde zu meinem Glück gezwungen, ins Ausland zu gehen, denn das Semester ist verpflichtend! Normalerweise schreibt das Curriculum der Frankfurt School (FS) vor, dass das Auslandssemester im 5. Semester stattfindet. Das ist total super platziert, wie ich finde, denn im 4. Semester stand bei mir die IHK-Prüfung zur Fachinformatiker*in an und das letzte Jahr im Studium ist dann das so genannte Hauptstudium. Da kann man dann zum ersten Mal auch Fächer frei wählen. Das Auslandssemester dient also zum Krafttanken und vielleicht auch dazu, nochmal neue Interessen zu wecken oder vorhandene zu vertiefen. Als ich mein Auslandssemester für den regulären Ablauf geplant hatte, hat mir leider eine globale Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie ich das Auslandssemester dann mit kleiner Verspätung doch noch absolviert habe und wie es mir gefallen hat, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

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Da das Auslandssemester an der FS vorgeschrieben ist, war für mich die Planung vergleichsweise entspannt. Im dritten Semester, also ungefähr ein Dreivierteljahr, bevor es ins Ausland ging, haben wir eine Liste mit etwa 130 Partneruniversitäten bekommen. Das ist schon mal eine ganze Menge, und wem das nicht reicht, der kann sich auch selbstständig bei einer anderen, selbst gewählten Uni bewerben, die nicht auf der Liste steht. Zur gleichen Zeit gab es auch eine Informationsveranstaltung, in der die wichtigsten Fakten und Tipps zu Bewerbungen an einer Auslandsuni erklärt wurden, danach konnte jeder seine/ihre Top 3-5 aus der Liste der Partnerunis an das International Office geschickt, das den Austausch organisiert. Und was, wenn es mehr Bewerbungen als Plätze bei den einzelnen Partnerunis gibt? Dann wird bei der FS nach Rankingplatz entschieden. Schon vor der Wahl kennen alle Studierenden ihren Platz im Ranking nach Noten innerhalb des Jahrgangs. Das klingt ganz schön hart, aber ich finde, es ist eine sehr transparente Lösung, um die Plätze zu vergeben.

Zeige Inhalt von Zwei Anläufe bis zum Ziel

Als ich mein Auslandssemester das erste Mal geplant hatte, hatte ich mir einen Platz an der University of Edinburgh, also in Schottland, gewünscht und auch bekommen. Ich musste mich dann noch formal bei meiner Austauschuniversität bewerben und habe bald meine Zusage gehabt. Auch die Module für meinen Austausch hatte ich schon gewählt, als sich im April 2020 langsam abzeichnete, dass mein Auslandssemester nicht so werden würde wie geplant. Letztendlich hatte ich die Wahl, meinen Platz ein Semester nach hinten zu schieben, komplett aufs Auslandssemester zu verzichten oder es ein Jahr später nochmal zu versuchen. Ein Semester nach hinten schieben, das gab mein Studienprogramm leider nicht her, also hab ich es einfach ein Jahr später nochmal versucht J. Im nächsten Zyklus habe ich mich etwas mutiger gefühlt und auch aufgrund positiver Erfahrungen meiner Kommiliton*innen mir den Platz in Seoul, Südkorea an der Hanyang-Universität gewünscht. Das hat zum Glück auch geklappt, und so konnte ich loslegen und meine Reise vorbereiten.

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Nach Südkorea zu fliegen ist zwar normalerweise kein riesiger Aufwand, aber aufgrund der Pandemie musste ich ein Visum beantragen. Die koreanische Universität hatte sich mit der Rückmeldung ein bisschen länger Zeit gelassen, und deswegen wurde die Zeit am Ende fast ein bisschen knapp, denn ich musste persönlich ins Konsulat gehen. Die Hanyang hat die Vorbereitung auf jeden Fall sehr gut mitbegleitet, und ich hatte frühzeitig alle Informationen zur Pflichtquarantäne für Einreisende nach Korea und sogar eine Liste von Wohnheimen. Dadurch hatte ich nach meiner Zusage auch sehr schnell einen Platz im Wohnheim. Meinen Flug habe ich übrigens über den Reiseservice der Deutschen Bank buchen dürfen. Das fand ich ziemlich cool, weil ich bisher nur selbst im Internet gebucht habe und noch nie über ein Reisebüro. Wir waren übrigens der erste Jahrgang, der von der Deutschen Bank ein Budget bekommen hat, um Flug, Wohnung und sonstige direkt mit dem Auslandssemester verbundenen Ausgaben abzudecken! Das bedeutete für mich, dass ich in Korea nur für Essen und persönliche Ausgaben aufkommen musste.

In Korea angekommen musste ich dann 14 Tage in Hotelquarantäne. Das war eine Art All-inclusive Urlaub, ohne das Zimmer verlassen zu dürfen, inklusive Trips zum Testzentrum. Ich hatte mir ein paar Dinge zum Beschäftigen mitgenommen und so gingen die 14 Tage zum Glück schnell rum. Es war zwar sicher nicht meine angenehmste Erfahrung, aber ich wusste ja, wofür – und das war es dann auf jeden Fall wert.

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Im Auslandssemester müssen wir mindestens 20 ECTS belegen, das sind zehn ECTS weniger als normalerweise an der FS pro Semester. In Korea musste ich daher mindestens vier Module, also Fächer, belegen. Mindestens zwei Fächer mussten zu meinem Studienfach passen, ansonsten war ich bei der Fächerwahl ganz frei, und das habe ich direkt ausgenutzt! Das Studium an der FS macht zwar Spaß, aber da die FS keine richtige Universität im klassischen Sinne ist, bietet sie nur eine begrenzte Auswahl an Fächern an. Die Hanyang ist eine richtige Uni mit allem Drum und Dran! Also habe ich mich ausgetobt und zu meinen „Pflichtfächern“ International Trade (Welthandel) und Behavioural Economics (Verhaltensökonomie) noch Food Microbiology (Lebensmittelmikrobiologie) und einen Musiktheoriekurs gewählt. Nach drei Jahren mehr oder weniger purer Wirtschaftsinformatik war das eine willkommene Abwechslung ;)

Außerdem habe ich noch einen Koreanisch-Kurs belegt. Viele Koreaner sprechen kaum oder gar kein Englisch, und da dachte ich, es wäre sicherlich gut, ein paar Sätze Koreanisch zu können. Und obwohl es in Korea ein eigenes Alphabet gibt, kann man sich die Grundbegriffe schnell aneignen. Mir macht es sowieso Spaß, neue Sprachen zu lernen, und durch den Kurs habe ich einige andere Austauschstudierende kennengelernt.

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Leider war mein Unterricht fast das ganze Semester lang nur online. Dadurch wurden auch viele Campusaktivitäten, wie Sport oder Abendveranstaltungen, nicht angeboten. Zum Glück durfte ab der Hälfte des Semesters wenigstens mein Musikkurs in Präsenz stattfinden. So habe ich zumindest ein paar meiner Mitstudierenden und auch mal die Universitätsgebäude von innen gesehen.

Vom Schwierigkeitsgrad fand ich das Studium in Korea auf jeden Fall vergleichbar mit Deutschland. Für mich war es eine Herausforderung, dass alle fünf Module das ganze Semester lang gingen – an der FS enden viele Module mit den „Midterms“, das ist unsere erste Klausurenphase Ende Oktober. Außerdem hatte ich einige Gruppenarbeiten und Abgaben, die sich vor allem gegen Ende des Semesters gehäuft haben. Immerhin konnte ich durch die Gruppenarbeiten einige meiner koreanischen Mitstudierenden kennenlernen, denn vorher hatte ich fast nur Kontakte zu anderen Austauschstudierenden aus dem Wohnheim oder den Teilnehmer*innen in meinem Koreanischkurs. Bei den Gruppenarbeiten sind dann doch einige kulturelle Unterschiede aufgefallen: Meine koreanischen Kommiliton*innen hatten sich kaum zu Wort gemeldet, und ich hatte erst das Gefühl, dass sie das Projekt nicht ernst nehmen. Tatsächlich lag es einfach daran, dass sie nicht so gut Englisch konnten und Angst hatten, Fehler zu machen und sich zu blamieren. Das war definitiv eine Herausforderung, aber am Ende konnten wir diese als Gruppe überwinden und unsere Projekte erfolgreich abgeben.

Zeige Inhalt von Leben in Korea

Korea ist ein bisschen wie Asien light. Man merkt definitiv, dass man nicht in einem westlichen Land ist, aber man findet hier auch viel Bekanntes, z. B. namhafte Ketten wie IKEA, Starbucks, H&M und McDonalds. Was ich definitiv vermissen werde ist, dass Läden eigentlich immer offen haben. Wir hatten neben dem Wohnheim direkt einen Supermarkt, bei dem man rund um die Uhr einkaufen konnte. Auffallend war auf jeden Fall, dass frisches Gemüse und Obst deutlich teurer ist als in Europa. Selbst kochen lohnt sich praktisch nicht – das ist natürlich die perfekte Ausrede, um öfter mal mit Freunden essen zu gehen, denn das ist definitiv Teil der koreanischen Lebensweise. Traditionelle koreanische Gerichte wie Korean BBQ, Bulgogi (würziges Rindfleisch), oder Dakgalbi (würziges Huhn mit Gemüse) isst man nämlich mit Freunden von großen Platten. Das fühlt sich ein bisschen an wie koreanisches Raclette. Ansonsten gibt es in Korea auch einige Food Markets, bei denen man viele verschiedene koreanische Street Foods ausprobieren kann. Mein Favorit waren Mungobohnen-Pfannkuchen! Viele Stände in Korea machen tatsächlich erst nachmittags auf und sind dann bis spät in die Nacht beziehungsweise bis früh morgens geöffnet.

Zeige Inhalt von Seoul entdecken

Seoul ist eine Millionenstadt. Ich muss aber zugeben, so richtig habe ich das gar nicht gemerkt. Nur ein paarmal war die U-Bahn wirklich so voll, wie man es sich vorstellt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kam ich sehr gut durch die Stadt. Das war auch gut so, denn mein Wohnheim war zwar echt toll gelegen, nur leider im „falschen“ Universitätsviertel. Rund um mein Wohnheim waren drei verschiedene Universitäten, aber meine war etwa 20 min. mit der U-Bahn entfernt. Seoul ist bei Koreanern ein sehr beliebter Studienort. Hier sind einige der besten Universitäten des Landes und deswegen gibt es in Korea auch total viele Cafés. Klingt erstmal nicht logisch? Bei koreanischen Studierenden ist es total beliebt, in einem Café zu lernen, und auch ich habe das sehr genossen. Die Cafés sind viel größer als bei uns und gehen manchmal über mehrere Stockwerke. Auch Tiercafés sind in Korea sehr beliebt. Tiercafés sind eigentlich normale Cafés, in denen die Tiere entweder rumlaufen oder in einem Stall davor leben. Mein Lieblingstier-Café war das Schafscafé.

Seoul ist eine unglaublich vielseitige Stadt. Seoul ist aber auch unglaublich sicher. Ein Aha-Erlebnis war für mich, als Studierende in einem Café einfach ihr Laptop unbeaufsichtigt liegen gelassen haben. In Seoul gibt es einige Paläste, die sogar UNESCO-Weltkulturerbe sind und einige komplette Viertel, die noch im traditionellen Stil erhalten sind. Sehr alt und top modern sind hier also direkt nebeneinander, das ergibt eine ziemlich ungewöhnliche, aber faszinierende Mischung.

Auch wenn ich am Anfang sehr nervös war, für ein ganzes Semester so weit weg zu gehen, hat es sich definitiv gelohnt, und ich habe mein etwas anderes Auslandssemester sehr genossen und nehme viele Eindrücke mit!

Tipps

Wenn ihr selbst demnächst ein Auslandssemester plant – hier ein paar nützliche Tipps aus meiner Erfahrung:

Planung

  • Was und wo?

    Auslandssemester im Lieblingsland oder doch ein exotisches Land, in das ihr sonst nicht mehr so schnell kommt? Vorher gut überlegen, was euch besonders wichtig ist. Und: Informiert euch über Kosten und mögliche Unterstützung durch euren Arbeitgeber. Am Ende ist nicht entscheidend, wo man das Auslandssemester macht, sondern dass man es macht! Denn in fast allen Ländern kann man besondere Erfahrungen machen und persönlich wachsen.

  • Sprache.

    Klar, auch ohne Landessprache kann man sich in einem fremden Land mit Gesten, meistens auch mit Englisch, verständigen. Aber ein paar Worte wie Hallo, Entschuldigung und Danke sagen zu können, gibt einem ein tolles Gefühl. Ebenfalls hilfreich: sich vorab in ein paar landestypische Besonderheiten einlesen.

Leben vor Ort

  • Zahlungsmittel.

    Passiert sogar einer Bankmitarbeiterin ,) … Ich stand mal ein Wochenende lang komplett ohne Bezahlmöglichkeit da, weil ich eine Kleinigkeit bei den Bedingungen meiner Kreditkarte übersehen hatte. Am besten also vorher nochmal alles überprüfen und im Zweifel bei der Bank Bescheid geben, dass man für eine Zeitlang ins Ausland geht.

  • Den Weg find‘ ich schon…

    Meine Erfahrung: Verlasst euch nicht drauf, dass ihr euch vor Ort und speziell auf dem Uni-Campus schon irgendwie zurechtfindet. In Seoul war z.B. alles viel größer als bei uns in Frankfurt und ich habe mich am Anfang echt verlaufen. Am besten an einem unifreien Tag mal alles anschauen, dann wisst ihr Bescheid und könnt andere „Neue“ sogar rumführen. Und falls ihr euch verabredet, plant genug Zeit ein, um den Ort dann auch zu finden. Pünktlichkeit wird nicht nur in Deutschland geschätzt!

  • Sightseeing.

    Nutzt die Zeit, um nicht nur die Uni, sondern auch die Stadt oder das Land kennenzulernen, in dem ihr seid. In Seoul hatte man überall Internetempfang, und die U-Bahn ist super einfach zu benutzen und schnell. So kann man an einem freien Tag einfach auf Entdeckungsreise gehen, ohne vorher groß zu planen.         

    Interessant zu wissen: Da Südkorea offiziell noch im Krieg mit Nordkorea ist, ist Google Maps in Südkorea nicht verfügbar wie in Deutschland. Ich musste daher auf andere Apps von den koreanischen Großkonzernen Kakao oder Naver ausweichen.

  • Wohnungssuche.

    Wenn ihr eure Wohnung sucht, versucht in ein Wohnheim oder mit anderen Austauschstudierenden zusammenzuziehen! Dadurch knüpft ihr direkt Kontakte und habt Freunde, mit denen ihr etwas unternehmen könnt. Hier hilft es, im Voraus schon mal in sozialen Netzwerken rumzufragen.

Studieren vor Ort

Über den Tellerrand schauen.
Nutzt die Gelegenheit, ein paar neue Fächer zu entdecken, das hält den Kopf flexibel und lässt euch neue Kraft und Motivation tanken für den Rest des Studiums, der euch zuhause erwartet!

Kontakte knüpfen

In meinen ersten Tagen habe ich unglaublich viele Leute kennengelernt – aus Seoul, aber auch von anderen Unis. Durch den Online-Unterricht hatte ich dann trotzdem echt Probleme, eine Lerngruppe zu finden, und einige meiner Übungen sind dann auch nicht so gut gelaufen. Traut euch also am besten von Anfang an, auf andere Studierende zuzugehen und nach Hilfe zu fragen.

Informiert euch vorab, ob es an eurer Austausch-Uni ein Buddy-Programm gibt. Ich habe mich zwar nicht so oft mit meiner Buddy getroffen und andere Freund*innen gefunden, aber es ist echt hilfreich, wenn da eine Person ist, an die man sich wenden kann, wenn man mal Hilfe braucht.